Die Kette des Wiederholens

LernkurveBereits gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts hat der Begründer der experimentellen Gedächtnisforschung Hermann Ebbinghaus
die Lernkurve und die Vergessenskurve entdeckt. Er beschrieb damit den Umstand, dass von einem einmalig erworbenen Wissen nach zwei Tagen nur noch lächerliche 20-30% zur Verfügung stünden.
Denn nur ein einziger Lerndurchgang reicht nicht aus, um das Wissen dauerhaft zu speichern, abrufbar und anwendbar zu machen. Doch wie behält man das Gelernte dann am Besten?

Hermann Ebbinghaus experimentierte systematisch mit Wiederholungen in unterschiedlichen Zeitabständen und Durchgängen und fand zwei wichtige Elemente: unser Gedächtnis benötigt zum einen mindestens fünf bewusste Lernvorgänge, damit ein bisher unbekanntes Wissen dauerhaft gespeichert werden kann. Außerdem müssen bestimmte Zeitabstände eingehalten werden, damit unserem Gehirn genügend Zeit bleibt, das Wissen einzuordnen, abzulegenund stabile Nervenverbindungen für das Auffinden des abgelegtenWissens zu knüpfen. Er hatte damit zunächst bewiesen, was die Menschheit intuitiv schon seit langem praktizierte, wenn sie etwas mehrmals wiederholte, damit es auswendig zur Verfügungstehe. Aber Ebbinghaus konnte nun genau beschreiben, wie dieser Lernvorgang effektiv gestalten werden sollte:

Shop-WunderDer Wiederholungsplan nach Ebbinghaus:

1. Wiederholung am selben Tag
2. Wiederholung einen Tag danach
3. Wiederholung nach einer Woche
4. Wiederholung nach vier Wochen
5. Wiederholung nach halben bis ganzen Jahr

Im regulären Studienalltag kannst du relativ selbstverständlich auf diese fünf Lerndurchgänge kommen, bei denen du dich mit den Inhalten aber wirklich beschäftigen musst:

Durchgang 1: Du nimmst aufmerksam an einer Vorlesung teil, hörst die Information und schreibst wichtige Dinge mit.

Durchgang 2: Zum Abschluss des Arbeitstages beschäftigst du dich mit deinen Aufzeichnungen und rekapitulieren, was heute wichtig war.

Durchgang 3: Vor Beginn der nächsten Vorlesung beschäftigst du dich nochmals mit deinen Aufzeichnungen und stimmst dein Gehirn auf das nun Folgende ein.

Durchgang 4: In einer die Prüfung vorbereitenden Lerngruppe sprichst du über denselben Lernstoff. Dabei benutzt du deine Aufzeichnungen und erklärst anderen den Inhalt oder
lässt dir etwas nicht Verstandenes erklären.

Durchgang 5: Als Prüfungsvorbereitung arbeitest du aufmerksam deine Aufzeichnungen durch, legst vielleicht Karteikarten an oder fertigst Übersichten, Grafiken und Tabellen an.

Du siehst daran, dass du bei einer solchen Struktur automatisch dem zu lernenden Stoff mehrmals begegnest. Wichtig ist dann nur, dass dies eine aktive Begegnung ist. D.h. du bist aufmerksam und beschäftigst dich mit den Inhalten. Ein passives Zuhören allein
genügt eben nicht. Und daher ist es meistens besser, eine Veranstaltung auch dann zu besuchen, wenn der Dozent „einfach nur sein Buch vorliest“, weil du ja nur so auch den akustischen Eindruck bekommst und vielleicht doch noch an einer Diskussion teilnimmst
oder aktiv eine Frage stellst.

Der letzte Lerndurchgang sollte immer mindestens eine Woche vor einer Prüfung liegen, damit dein Gehirn es noch verarbeiten kann. Die letzten Tage dienen dann nur noch
dem Auffrischen des Wissens. Dabei zeigst du deinem Gehirn, welches Wissen es in diesen Tagen in den Vordergrund rücken soll, damit es zügig abrufbar ist. Vermeide es daher, jetzt noch Neues zu lernen. Solche Informationen sind dann nicht sicher abrufbar und werden in ihrer Priorität gleichzeitig in den Vordergrund gerückt. Das führt dazu, dass
das über Wochen angeeignete Wissen verdrängt wird. Leider ist es aber genau das Wissen, welches du hauptsächlich in der Prüfung benötigst. Genau diese Relevanz stellst du durch das Auffrischen des vorhandenen Wissens klar.

 

Mehr dazu findest du in diesem Buch:

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Holger Walther

Ohne Prüfungsangst studieren

162 Seiten, broschiert
ISBN 978-3-8252-3675-5
€ (D) 9,99

Über den Autor

Susanne Engstle Susanne Engstle ist für die Marketing- und Presse-Arbeit des UVK Verlagsgs in München zuständig.

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