A fine city – Mein Auslandspraktikum in Singapur

singNicht außerhalb des Zebrastreifens über die Straße gehen, kein Trinken in öffentlichen Verkehrsmitteln, ein Kaugummiverbot und nach dreimal bei Rot über die Ampel gehen ist das Visum weg – Nur ein paar der ausgefallenen Regeln des Landes, in welchem ich mein Auslandspraktikum absolviert habe: der Stadt-Insel-Staat Singapur. Von August 2012 bis Januar 2013 war ich dort als Praktikantin bei der Lufthansa Cargo AG beschäftigt. Ein Praktikum in einem Konzern in der Umbruchphase in einem außergewöhnlichen Land mit gewaltigem Wirtschaftswachstum hat viele wertvolle Eindrücke und Erfahrungen hinterlassen, die ich im Folgenden gerne teile.

Nachdem ich die Lufthansa AG bereits als Praktikantin bei der Konzerngesellschaft Lufthansa Technik im Produktionsingenieurswesen kennengelernt hatte, reizte es mich den globalen Konzern auch aus ausländischer Perspektive kennenzulernen und es hat sich gelohnt.

Shop-WunderDas Headquater der Lufthansa Cargo AG für den Bereich Südostasien, welches Stationen von Tokio über Sydney bis nach Amman und Dubai betreut, beschäftigt in Singapur circa 30 Mitarbeiter. Meiner Erfahrung nach sind die Übersichtlichkeit und die Tatsache, dass an einem Auslandsstandort die Abteilungen enger miteinander verknüpft sind, ein wertvoller Vorteil. So hat man die Möglichkeit, Schnittstellen und Kontakte mit Kollegen anderer Abteilungen aktiv zu nutzen und das Unternehmen in seiner ganzheitlichen Struktur kennenzulernen. Ich habe das Team des Finanzcontrollings unterstützt, welches aus meiner Chefin, nach internationaler Bezeichnung CFO für die südostasiatische Region, und zwei Assistenz-Stellen besteht: eine Teilzeitkraft und eine/n Praktikantin/en.

Ich begann mein Praktikum in der Anfangsphase des Budgetprozesses für das kommende Geschäftsjahr, welchen ich während meines Praktikums mit begleiten und auch abschließen konnte. Routineaufgaben, wie das monatliche Kostenmonitoring der Region Südostasien und der Tochtergesellschaft time:matters, als auch Auswertungen, Wirtschaftlichkeitsrechnungen und Analysen zu finanzwirtschaftlichen Themen landeten auf meinem Schreibtisch. Gerade zu Zeiten des Programms SCORE, welches als Restrukturierungsprogramm des Konzerns verstanden werden kann, wurde der Fokus natürlich vermehrt auf das Controlling im Bereich Wirtschaftlichkeit und Finanzen gelegt und ich konnte mein Team bei der Bearbeitung vieler spannender, zukunftsorientierter Themen unterstützen.

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Der Kontakt mit Mitarbeitern in den verschiedenen Regionen Asiens hat mir gezeigt, wie unterschiedlichste Kulturen Arbeitsweisen prägen und mir eine gewisse Flexibilität und Feinfühligkeit an dieser Stelle gelehrt. Diese wertvollen, fachlichen Erfahrungen in einem kleinen Team mit globalem Fokus und ein externen Blick auf das eigene Heimatland auf der wirtschaftlichen Ebene haben meine berufliche Erfahrung sehr bereichert.

Neben der Arbeit kam das Erleben der Stadt, der Region und der Kultur nicht zu kurz. Singapur kann man auf Grund seiner Größe von nur 710 qkm recht schnell erkunden und dabei gleich mehrere Kulturen erleben: Die 5,1 Millionen Einwohner entstammen den unterschiedlichen Regionen Asiens und haben Teile des Stadtstaats kulturell geprägt: Chinatown, Little India, Arab Street, … Die Vielfalt der Stadt hat mir sehr gut gefallen. Auch kann ich wohl sagen, dass ich noch kein Land gesehen hab, das auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche so viele Shopping Malls untergebracht hat mit einer sehr starken Präsenz von Luxusmarken und Starbucks Cafés.

Die wohl sauberste Stadt der Welt macht ihrem Namen alle Ehre: man findet tatsächlich keinen Kaugummi auf den Gehsteigen und nach Müll auf den Straßen muss man regelrecht suchen. Im Englischen auch „fine city“ genannt, kann man das Wort „fine“ auch durchaus als Bußgeld interpretieren. So „kostet“ das Trinken in der U-Bahn (dort MRT genannt) schlappe 500 SIN $.

Dafür ist das Essen umso günstiger, weshalb Singapurer fast ausschließlich auswärts essen und in manchen Wohnungen nur „light cooking“ in der Küche erlaubt ist. Fast jede Shoppingmall hat ein Stockwerk, in dem ein so genannter „Food Court“ untergebracht ist. Bei verschiedenen Ständen kann man die arabische, indische, indonesische, thailändische, chinesische, japanische, malaysische etc. Küche probieren und bekommt wirklich außergewöhnlich viele kulinarische Möglichkeiten geboten. So bin ich in den Genuss von Schweineohren inklusive Knorpel, Hühnerfüßen und Rindermagen gekommen. Ein kulinarisches Erlebnis, das für mich persönlich nicht nach Wiederholung schreit.

Tower 3 Floor 5 Unit 7 war die Adresse meines Apartments, welches ich mit Mitbewohnern aus den USA, Irland, Japan und China geteilt habe: ein Apartment in einem Condo, das in etwa so viele Einwohner beherbergt wie mein Heimatdorf in Bayern. Wohnraum ist in Singapur teuer, dafür aber vergleichsweise luxuriös. So hat man meistens einen hauseigenen Pool, BBQ und Tennisplätze und ein Fitnessstudio. Besonders der Pool ist bei ganzjährigem Sommer und einem Klima mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit ein großer Vorteil. Man könnte zwar meinen, dass Singapur als Insel auch schöne Strände zu bieten hat, aber diese sind entweder künstlich angelegt mit Frachtschiffen im Hintergrund oder gleich direkt am Hafen und daher nicht unbedingt einladend.

Auch wenn sich die Bußgelder gut vermeiden lassen, kann man in Singapur recht viel Geld loswerden. Vor allem das Ausgehen ist im Vergleich zu Europa sehr teuer; besonders alkoholische Getränke. Für Praktikanten/innen – und davon gibt es ziemlich viele in Singapur – waren dort die Mittwoche die günstigsten Tage: Freie Eintritte und freie Getränke für Frauen in vielen der Clubs und Bars. Eine stilvolle Location hat man immer geboten: egal, ob auf der Dachterrasse des Marina Bay Sands, dem One Altitude, im Pangea oder einer der Bars am River in Singapur. Einmal im Monat findet auf dem Dach des Swisshotels eine Party auf dem ehemaligen Helikopterlandeplatz des Hotels statt. In einem Land, das sogar in den U-Bahnstationen Trennwände zwischen Bahnsteig und Gleisen hat, hat es mich erstaunt, dass auf dem Hoteldach keinerlei Absperrung oder Geländer angebracht waren.

Für mich hat Singapur zwei Gesichter: die glitzernde Finanzmetropole, die Entertainment bietet – für alle, die es sich leisten können und der kontrollierende Überwachungsstaat, dessen Gehsteige nur glänzen, weil billige Arbeitskräfte aus den umliegenden Ländern den Besen schwingen. Auf dem morgendlichen Weg zum Büro habe ich die Lastwägen mit offenen Ladeflächen beobachtet, die Gastarbeiter aus den umliegenden Ländern entladen und abends wieder einsammeln, um sie an oder über die Grenze des zu bringen. Verlässt man selbst die glitzernde Seifenblase des Stadtstaates kann man Asien von einer ganz anderen Seite kennen lernen. Gerade dieser Kontrast hat mich immer wieder gereizt, am verlängerten Wochenende die umliegenden Länder zu bereisen: Angkor Wat in Kambodscha, Kho Phi Phi in Thailand, die Cameron Highlands und Kuala Lumpur in Malaysia: die Auswahl ist groß und vielfältig.

Da es mein erster, längerer Aufenthalt in Asien war, kann ich sagen, dass Singapur eine sehr gute Basis ist, um Asien kennen zu lernen. Die Stadt ist vergleichsweise sehr westlich geprägt, übersichtlich und sehr sicher. Man findet sich dort schnell zurecht und dank des großen Praktikanten – und Traineenetzwerkes auch schnell Anschluss.

Ich bin mir sicher, dass ich das halbe Jahr meines Aufenthalts dort auf jeglichen Überwachungskameras live dokumentiert finden würde. Leider wird mir dieses Videomaterial wohl nie zugänglich sein.

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oppel

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3 Gedanken zu „A fine city – Mein Auslandspraktikum in Singapur

  1. Ich werde im Sommer auch ein Praktikum in Singapore machen! Kannst du mir vllt sagen, wo du damals genau gewohnt hattest bzw. was für Condos du noch empfehlen könntest?

    • Hey 🙂 ich werde im Januar auch ein Praktikum in Singapur machen. Könntest du mir sagen, wie du an deine Wohnung gekommen bist und was dort besonders sehenswert ist?

      Liebe Grüße!

  2. Vielen Dank für den Bericht Singapur ist echt der wahnsinn. Allerdings war ich nur im Urlaub dort… Ich Interessiere mich für das gleiche Praktikum. Eine Info wäre ganz gut: Bezahlung seitens der Lufthansa?

    LG

    Martin

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